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Chronik

Aus alten Büchern und Akten

Fotos

 

Die Chronik von Wulmersreuth

Wulmersreuth ist ein Dorf mit 20 Wohnhäusern und 75 Einwohnern. Es liegt auf der Münchberger Hochfläche, die den Frankenwald mit dem Fichtelgebirge verbindet, und zwar zwischen der rührigen Industriestadt Münchberg und dem alten Kirchdorf  Weißdorf.
In einer Höhenlage von durchschnittlich 550 m scharen sich seine Gehöfte in lockerer rundlicher Reihung um den Dorfteich. Der Besitz eines jeden Bauern an Wiese, Feld und Wald war ursprünglich in einem einzigen geschlossenen Komplex, einer "Hufe", vereinigt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde diese Flurform durch Hofteilungen und -auflassungen stark verwischt, so dass sie in Wulmersreuth in ihrer reinen Form kaum noch anzutreffen ist.
Wie die älteste Schreibweise des Ortsnamens (1323 Wolmansruit) bezeugt, ist er aus dem Grundwort -reuth und dem alten Personennamen Wolman oder Wolmar zusammengesetzt. Bei Wulmersreuth handelt es sich infolgedessen um die Reut oder Rodung eines Wolman oder Wolmar. Er dürfte der Ortsgründer oder Lokator gewesen sein.
Die Orts- und Flurform von Wulmersreuth und sein Name deuten unmissverständlich daraufhin, dass das Dorf in der sogenannten Hauptrodungsperiode im 12 Jahrhundert, um 1250 im Wesentlichen abgeschlossen, angelegt worden ist.
Zusammen mit der Herrschaft und dem Hochgerichtbezirk Münchberg kam Wulmersreuth um 1230 an die Familie von Sparneck.
In einer im Original leider nicht mehr vorhandenen und dazu noch textlich ungenau überlieferten Urkunde vom 7. März 1323 wird Wulmersreuth zum ersten Male genannt. Diese erstmalige Beurkundung sagt jedoch über das wahre Alter von Wulmersreuth nichts aus. Es ist, wie wir bereits hörten, wohl 100 oder mehr Jahre vorher gegründet worden. 
Am 22. Februar 1373 erscheint Wulmersreuth zum zweiten Male in einer Urkunde, anlässlich eines Verkaufs von Besitztümern , zu denen auch Wulmersreuth gehörte, von der Familie von Sparneck an den Burggrafen zu Nürnberg.
Mit diesem Verkauf begann ein neuer Zeitabschnitt. Die neuen Besitzungen wurden sofort in das Amt Münchberg zusammengefasst, das ein adeliger Amtmann leitete Ein ihm zu Seite gegebener Kastner wickelte unter anderem die Lehensangelegenheiten mit den Bauern ab. 
In kirchlicher Beziehung gehörte Wulmersreuth anfangs zum großen Sprengel der Pfarrei Münchberg.
Alle Bauern mussten deshalb die ganzen Jahrhunderte hindurch einen Teil der Erträge von ihren Feldern an den Pfarrer von Münchberg abliefern. In der katholischen Zeit musste außerdem noch ein Teil des Käse abgegeben werden.
Noch vor 1400 wurde aus dem Münchberger Kirchensprengel die Pfarrei Weißdorf abgetrennt, der auch Wulmersreuth zugeteilt wurde. Diese höchstwahrscheinlich von den Herren von Sparneck gestiftet Pfarrei wird am 16. August 1397 zum erstenmal urkundlich erwähnt.
In einem Verzeichnis des Amtes Münchberg aus dem Jahre 1408 ist Wulmersreuth (Wulmanßreuth) mit 11Höfen vertreten. Alle Einwohner von Münchberg unterstanden damals und später dem burggräflichen Gericht von Münchberg.
Zwischen 1698 und 1711 wurden am Anger in Wulmersreuth zwei Trüpfhäuser erbaut.
Eines davon wurde 1717 abgebrochen und in Hallerstein wieder aufgebaut. Das verbliebene Trüpfhaus erlangte am 19. April 1792 mit einem kgl. Regierungsskript die Konzession darin eine Zapfschenke einzurichten. Diese inzwischen wesentlich vergrößerte und um einen Pensionsbetrieb erweiterte Gaststätte, trägt heute die Hausnummer 17.
Die heute zu Wulmersreuth gehörenden und etwa einen Kilometer nordöstlich vom Dorf an der Saale gelegenen Höfe Nr. 18 und 19 werden in den älteren amtlichen Unterlagen stets unter Bug nachgewiesen. Aber schon im 18. Jahrhundert wird betont, dass sie sich zur Dorfgemeinschaft Wulmersreuth halten.
Zu Wulmersreuth gehört heute auch die Einzel Schallersgrün. Sie liegt fast einen Kilometer nordwestlich vom Dorf hart an der Flurgrenze und wurde erst zwischen 1817 und 1840 erbaut.
Die Güterverzeichnisse von 1811 geben Aufschluß über die Bauart der Wohnhäuser in Wulmersreuth. Dort gab es damals nur zwei Massivbauten. Zehn Häuser hatten ein steinernes Untergeschoß und ein aus Holz oder Riegelwerk gefügtes Obergeschoß, fünf waren ganz und gar aus Holz gezimmert. Für zwei Höfe fehlen entsprechende Angaben.
Nach einer Statistik aus dem Jahre 1840 waren in Wulmersreuth einschließlich der Einzel Schallersgrün 
21 Wohnhäuser und 40 Wirtschaftsgebäude vorhanden. Nur sieben davon waren mit Schiefern oder Ziegeln gedeckt; weitere sieben trugen Schindeldächer und die restlichen 47 Strohdächer.
Wenn ein Bauer oder sein Lehensherr starb oder der Hof übergeben, vertauscht oder verkauft wurde, musste eine Besitzveränderungsgebühr an den Grundherrn bezahlt werden. Diese betrug in Wulmersreuth einheitlich 
10 % vom Schätzwert des Hofes.
Bei offensichtlicher Armut, nach Brandfällen und Missernten erließ der Lehensherr seinen Bauern die Abgaben ganz oder teilweise oder unterstützte sie finanziell oder materiell.
Drückender als Steuer, Zins und Naturalienabgaben mögen für die Wulmersreuther Bauern die Frondienste gewesen sein, die erst 1848 endgültig abgeschafft wurden. Aus einem Verzeichnis vom 25. Januar 1696 ist zu entnehmen, dass die Wulmersreuther je nach Hofgröße mit zwei bis vier Pferden Spannfron leisten mussten.
Von jeher waren Bürger und Bauern zur Landverteidigung verpflichtet. Sie waren zu diesem Zweck in einer milizähnlichen Organisation zusammengeschlossen, für die man später den Namen "Ausschuß" prägte. Für die Bewaffnung und Montierung mussten alle Haus- und Grundbesitzer selbst aufkommen. Markgräfliche "Musterknechte" überprüften von Zeit zu Zeit die Dienstpflichtigen und ihre Waffen.
Wulmersreuth lag früher nie an einer wichtigen Hauptstraße. Dieser etwas abseitigen Lage verdankte es Wulmersreuth, dass es in Kriegszeiten verhältnismäßig glimpflich davongekommen ist. 
Auch Seuchen, wie sie vor allem in den Jahren 1633 und 1634 im Weißdorfer Kirchensprengel grassierten, haben anscheinend den Wulmersreuthern nicht viel anhaben können, wie Einträge in den Kirchenbüchern belegen.
Vor 1818 waren die Ortschaften noch nicht zu Gemeinden zusammengeschlossen. Jede "Dorfgemein" war auf sich selbst gestellt. Ein von Amtswegen eingesetzter Schultheiß war Repräsentant seines Dorfes und Vollzugsorgan seines Kastenamtmannes. Ihm war ein von Jahr zu Jahr wechselnder Gemeinmann als Vertreter der Bauernschaft beigeordnet.
Aufgrund eines Edikts vom 17. Mai 1818 kam Wulmersreuth zur Landgemeinde Markersreuth. Erst 1938 wurde Wulmersreuth in die Gemeinde Weißdorf eingegliedert, bei der es bis zur Gegenwart geblieben ist.

Aus alten Büchern und Akten

Hier sollen ein paar in alten Büchern und Akten gefundene Aufzeichnungen wiedergegeben werden, die einige Streiflichter auf das dörfliche Leben in Wulmersreuth in der  "guten alten Zeit" zu werfen vermögen. 

Bei der im Jahre 1576 in Weißdorf vorgenommenen Kirchenvisitation beklagte sich der Pfarrer unter anderem über Lorenz Egermann und Albrecht Fuchs aus Wulmersreuth. Sie lebten mit Ihren Ehefrauen "sehr uneinig " und Egermann hatte seinem Weibe sogar wiederholt den Tod angedroht. Ärgernis erregten ferner die "Rockenstuben", in denen angeblich "viel sündliches, unzüchtiges und ärgerliches Wesen" getrieben wurde.  

1547 wurde Matthes Gebhardt aus Wulmersreuth um zwei Gulden gestraft, weil er Kunz Hertrich von Markersreuth an der Hand verwundet hatte.

Einiges Aufsehen dürfte in Wulmersreuth ein Vorfall erregt haben, der sich 1611 dort zugetragen hat. Am 18.August fand Joachim Kießling, der "in der Leupoldtin und Nikol Wendlerin oberen Häuslein" zur Herberge wohnte, vor seinem Fenster einen "in gar schöne Windelein und in ein schönes Kissen" gewickelten Säugling. Daneben lag ein Brieflein, dessen Inhalt uns nicht überliefert ist. Die Gemeinleute brachten das Kind sofort zum Kastenamt in Münchberg. Dort erhielte sie den Bescheid, den Säugling schnellstens taufen zu lassen. Als man am darauffolgenden Sonntag das Wickelkind in die Kirche nach Weißdorf gebracht hatte, wiedersetzte sich der Schulmeister,  "der die Schnauzen mit Bier begossen hatte", der Taufe. Er geriet deshalb sogar mit dem Pfarrer in einen heftigen Wortwechsel. Seine Einwendungen hatten natürlich keinen Erfolg. Was später aus dem Findelkind geworden ist, entzieht sich unserer Kenntnis.

Bei einer der damals üblichen Raufhändel versetzte Hans Fickelscherer aus Wulmersreuth dem Jakob Popp am 2.April 1646 beim Brauhaus am Dorfteich in Weißdorf mit seinem Brotmesser vier Stiche. Einer davon der das Herz traf wirkte tödlich. 

Ende 1654 war wieder einmal von Soldaten eine Seuche eingeschleppt worden, der in Wulmersreuth die Bauern Heinz Hänßsel und Heinrich Döhla erlagen.
In der Nacht des 16. Februar 1679 wurde in Wulmersreuth der 21jährige Johannes Zähe während eines Saufgelages von einem dort einquartierten Soldaten angeschossen. "Unter der Kur des Baders und Wundarztes zu Münchberg " hauchte er vier Tage später sein junges Leben aus. 
     

Alte Bilder von Wulmersreuth

Am Wulmersreuther Dorfteich 1935.

Lange bevor die heutige Dorfstrasse gebaut wurde! Links der ehemalige Dorfanger. Im Hintergrund das Anwesen Popp - gegenüber dem heutigen Feuerwehrhaus
   

Das waren noch echte Winter. Es gab fast kein Durchkommen auf der Verbindungsstrasse nach Weißdorf. Der Schnee wurde per Hand geschort. Mit Skiern kam man noch gut durch.

Kärwa wurde nach dem Krieg voll gefeiert. Da durften natürlich auch die Musikanten nicht fehlen.

Selbstverständlich gehörte zu einer echten Kärwa auch ein Umzug.

Das Bild von oben viele, viele Jahre später ...

Treffpunkt an der alten Milchbank. Im Hintergrund das alte Feuerwehrhaus.